Das Krankheitsbild aus Sicht der Chinesischen Medizin (TCM)

Migräne

Diagnose und Therapie

 

Das Behandlungsideal der klassischen TCM ist es, gefährliche Entwicklungen frühzeitig zu erkennen. So können leichte therapeutische Impulse ausreichen, um eine sich anbahnende Abweichung zu korrigieren und die Balance wiederherzustellen. Leider suchen die meisten sehr viel später, als dieses Ideal es empfiehlt einen TCM-Arzt auf. Sie wenden sich erst an ihn, nachdem sie die gebotenen Möglichkeiten der herkömmlichen Medizin ausgeschöpft haben.
Erstaunlich nun ist: Der in der chinesischen Krankheitsauffassung so zentrale Entwicklungsgedanke hilft nicht nur im Frühstadium einer Erkrankung, er bewährt sich auch in aussichtslos scheinenden Endphasen. Er erlaubt es nämlich, die Krankheitsentwicklung anamnestisch bis zu den anfänglichen Wurzeln zurückzuverfolgen und therapeutisch aufzuarbeiten. Dies ist Sache der Langzeittherapie, die bei Migräne vornehmlich im anfallsfreien Intervall stattfindet. Natürlich wird der Patient auch im Anfall nicht allein gelassen. Die unmittelbar schmerzbezogenen Therapien haben die Aufgabe, im Moment zu lindern, ohne zukünftige Entwicklungen zu belasten.

Diagnose

Voraussetzung jeder Behandlung ist die individuelle Diagnose. Der untersuchende Arzt gewinnt seine Daten aus einer minutiösen Bestandsaufnahme der Hauptsymptomatik. Die Häufigkeit der Anfälle und deren Auslöser sind ebenso wichtig wie die Anfallssymptomatik. Daten zu den Allgemeinsymptomen und solche aus der Früh- und Vorgeschichte der Erkrankung werden erhoben. Insbesondere wird auch die Infektgeschichte des Patienten durchleuchtet. Wichtig ist auch die bisher erfolgte Einnahme von Medikamenten. Was die Krankenbefragung offen lässt, können Puls- und Zungendiagnose ergänzen.
Die Therapie in der Klinik am Steigerwald setzt mit dem Medikamentenentzug ein. Am Aufnahmetag werden alle migränebezogenen Medikamente abgesetzt. Dies stellt hohe Anforderungen an die Patienten - und an das Personal. Vermeiden lässt sich der Entzug nicht. Die Kopfschmerzpatienten, die die Klinik aufsuchen, haben oft über Jahre oder Jahrzehnte regelmäßig Medikamente eingenommen, die unmittelbar auf das Schmerzgeschehen einwirken sollen. Es kommt zu der (unter "Krankheitsbild") beschriebenen Medikamentenabhängigkeit.

Akutbehandlung

Die Ärzte und Schwestern der Klinik stehen 24 Stunden am Tag für Akutbehandlungen bereit. Es sind nicht zuletzt die Entzugskrisen der ersten Tage, die dies erforderlich machen. Neben der unmittelbaren Hilfe für den Patienten sollen diese Behandlungen Eigenkräfte wecken und die Erfahrung wachsen lassen, dass Krisen auch ohne chemische Keule zu bewältigen sind. Eingesetzt werden alle Methoden der Physiotherapie und Behandlungspflege, über die die Klinik verfügt. Zusätzlich wird, wenn möglich und erforderlich, Akupunktur gegen Schmerzanfälle eingesetzt. Die Klinik leistet auf diesem Gebiet Entwicklungsarbeit ebenso wie auf dem Feld der chinesischen Arzneitherapie. Die Ärzte dort hatten vor Jahren wirksame Rezepturen gegen akute Kopfschmerzen entworfen, haben sie aber mittlerweile wieder aufgegeben, weil sie, ähnlich wie Tryptan und andere Mittel unserer chemischen Industrie, lediglich zur Verschiebung der Anfälle geführt haben. Die neuere Generation der in der Klinik entwickelten Akut-Rezepte fördert die Fähigkeiten, das Anfallsgeschehen zu verarbeiten; sie senkt den Schmerz weniger radikal ab, wirkt dafür aber deutlich nachhaltiger.

Intervall-Behandlung

Von entscheidender Bedeutung für die Langzeitprognose von Kopfschmerzpatienten ist allerdings die Intervall-Behandlung. Auch hier werden alle in der Klinik verfügbaren äußeren und inneren Therapieformen eingesetzt. Die konzeptionelle Führung übernimmt dabei ganz klar die Arzneitherapie. Ihre große Leistung liegt darin, dass mit ihrer Hilfe alte, nicht abgeschlossene Prozesse wieder aufgerollt und ausgetragen werden können.
Kopfschmerzpatienten konfrontieren den Arzt vor allem mit vier Therapiethemen: abgesunkene Infekte oder Herde, Störungen des weiblichen Zyklus, habituell gewordene psychische Fehlreaktionen und Verschlackungsprobleme. Auch hier gehört zur Therapie eine gewisse Krisenbereitschaft von Patient und Arzt, auf der einen Seite mehr im vertrauensvollen Durchstehen, auf der anderen in der professionellen, unängstlichen Begleitung.
Neben der Migräne gibt es andere kopfbezogene Schmerzsyndrome. Sie verlangen ein modifiziertes Vorgehen. Z.B. wird man bei bestimmten Kopfschmerzformen die Schmerzmittel nicht radikal absetzen, sondern eine verlaufsbezogene, schrittweise Arznei-Reduktion vornehmen. Mit guter Aussicht auf Besserung werden behandelt Patienten mit: chronischen Zahnschmerzen, Neuralgien im Kopfbereich, dem sogenannten Spannungskopfschmerz und dem Cluster-Kopfschmerz.
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Zu Schmerzen im Kopf- und Nackenbereich hat die Klinik am Steigerwald ihr Behandlungsverfahren der traditionellen chinesischen Medizin evaluiert.

Die Ergebnisse der Studie, die in der Fachzeitschrift "Forschende Komplementärmedizin" veröffentlicht ist, finden Sie neben weiteren Informationen auf der Seite www.tcm-studien.de.